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Strategeme
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Bemerkung |
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1. Bei hellem Tageslicht das Meer überqueren man tian guo hai |
Der Stratege baut zunächst eine Fassade auf und hält sie so
lange aufrecht, bis sie zu einem vertrauten Bild geworden ist. Nun kann er
ungesehen sein Manöver durchführen, während die Augen aller auf die
sichtbare, vertraute Erscheinung gerichtet sind. |
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2. Ein Reich belagern, um ein anderes zu retten wei Wei jiu Zhao |
Wenn ein starkes Reich kurz davorsteht, ein schwächeres zu
besiegen, dann kann ein drittes Reich auch seinen »Teil vom Kuchen«
abbekommen und sich einen guten Ruf verschaffen, indem es sich nach außen hin
auf die Seite des Schwächeren stellt und den Stärkeren angreift. Auf diese
Weise erhält es schließlich obendrein die Herrschaft über das geschwächte
Land, ohne jedoch den Schimpf auf sich zu laden, den ein direkter Angriff mit
sich gebracht hätte. |
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3. Sich ein Schwert leihen, um einen anderen zu töten
jie dao sha ren |
Wenn eine der kriegführenden Parteien geschwächt ist, kann sie
ihre Verbündeten in den Kampf einbeziehen und auf diese Weise dem Gegner
einen Schlag versetzen, ohne selbst weiter an Stärke zu verlieren. |
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4. Ausgeruht den erschöpften Feind erwarten yi yi dai lao |
Du zwingst andere dazu, ihre Energie zu verschwenden, während du
deine bewahrst. Du ermüdest den Gegner, indem du ihn zu einem fruchtlosen
Unterfangen verleitest oder indem du ihn von weither kommen lässt, während du
selbst auf deinem Platz verharrst. |
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5. Eine Feuersbrunst für einen Raub ausnützen chen huo da jie |
Aus den Schwierigkeiten oder Nöten eines anderen Nutzen ziehen. |
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6. Im Osten lärmen, im Westen angreifen sheng dong ji xi |
Du verbreitest irreführende Informationen über deine Absichten
oder machst falsche Andeutungen, um den Gegner dazu zu verleiten, seine
Verteidigung an einer bestimmten Stelle zu konzentrieren. So kannst du ihn
wirkungsvoll an einer anderen Stelle angreifen. |
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7. Aus einem Nichts etwas erzeugen wu zhong sheng you |
Du erzeugst im Geiste deines Gegners eine falsche Vorstellung
und sorgst dafür, dass er sie für wahr hält. Dies bedeutet im besonderen,
dass du den Eindruck vermittelst, etwas zu haben, was du in Wirklichkeit
nicht hast. So erscheinst du groß und mächtig und kannst dich wesentlich
sicherer fühlen als zuvor. |
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8. Den Pass im Dunkeln überqueren an du Chencang |
Du lässt Truppen an einem bestimmten Ort Stellung beziehen,
dringst dann aber, während der Gegner durch deine fingierte Front abgelenkt
ist, von einer anderen Seite her in das gegnerische Gebiet ein. |
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9. Das Feuer vom gegenüberliegenden Ufer aus beobachten. ge an guan huo |
Du siehst ruhig und gelassen zu, wie deine Gegner ihre
Zwistigkeiten miteinander austragen, und wartest darauf, dass sie sich
gegenseitig vernichten. |
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10. Hinter dem Lächeln das Schwert verbergen xiaoli zang dao |
Du schmeichelst dich bei deinem Feind ein und bringst ihn dazu,
dir zu vertrauen. Wenn du sein Vertrauen gewonnen hast, kannst du heimlich
gegen ihn vorgehen. |
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11. Ein Baum fällt für einen anderen li dai tao jiang |
Um ein größeres Ziel zu erreichen, müssen kleine Opfer gebracht
werden. |
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12. Mit leichter Hand das Schaf wegführen shun shou qian yang |
Du ziehst aus jeder Gelegenheit Nutzen, und sei er auch noch so
gering, und sicherst dir jeden Profit, wie wenig es auch sein mag. Zu diesem
Strategem gibt es die Geschichte des armen Reisenden, der auf seiner
Wanderung an einer Schafherde vorbeikam. Er bahnte sich seinen Weg mitten
durch die Herde, und als er am anderen Ende angelangt war, hatte er plötzlich
ein Schaf bei sich. Er verhielt sich aber so ruhig und natürlich, so, als ob
er schon die ganze Zeit über sein eigenes Schaf zum Markt geführt hätte, dass
der Schafhirte ihn überhaupt nicht zur Kenntnis nahm. |
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13. Auf das Gras schlagen, um die Schlangen
aufzuscheuchen |
Wenn ein Gegner zurückhaltend und unergründlich ist, dann
provozierst du ihn auf die eine oder andere Art, um zu sehen, wie er
reagiert. Yagyû erwähnt diese Kriegslist und erklärt, sie sei auch im Zen
durchaus gebräuchlich. Bestimmte Zen-Aussprüche und -Geschichten werden in
erster Linie dazu benutzt, um Schüler auf die Probe zu stellen und ihr Wesen
zu ergründen. |
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14. Einen Leichnam ausleihen, um einen Geist
zurückzuholen |
Du benutzt nicht das, was alle anderen auch benutzen, sondern
das, was niemand sonst benutzt. Das können Dinge sein, die irgendjemand
verloren hat oder die aus Nachlässigkeit in Vergessenheit geraten sind. Du
kannst dir auch einen Verwendungszweck für Dinge ausdenken, die bislang nicht
zur Kenntnis genommen oder als völlig nutzlos angesehen wurden. |
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15. Den Tiger dazu bewegen, die Berge zu verlassen |
Du begibst dich nicht in die Festung eines mächtigen Gegners, du
verleitest ihn vielmehr dazu, seine geschützten Stellungen zu verlassen. |
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16. Will man etwas fangen, muss man es zunächst
loslassen |
Fliehende Feinde können sich umwenden und verzweifelt kämpfen,
wenn sie zu hitzig verfolgt werden. Wenn man ihnen jedoch Raum zum Laufen
lässt, dann zerstreuen sie sich und verausgaben ihre Energie. So können sie
ohne weiteres Blutvergießen gefangengenommen werden. |
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17. Einen Backstein hinwerfen, um einen Jadestein zu
erlangen |
Du bietest jemandem etwas Unbedeutendes oder Minderwertiges an,
um ihn dazu zu verleiten, dir etwas wirklich Wertvolles dafür zu geben. |
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18. Will man eine Räuberbande unschädlich machen, muss
man zuerst ihren Anführer fangen |
Wenn du dich mit einer starken Opposition konfrontiert siehst, dann
nimm ihren Anführer aufs Korn. |
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19. Das Brennholz unter dem Kessel wegnehmen |
Wenn du einen Feind nicht in offener Konfrontation besiegen
kannst, so kannst du immer noch gewinnen, indem du seine Ressourcen und seine
Moral untergräbst. |
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20. Das Wasser trüben, um die Fische zu ergreifen |
Du nutzt Verwirrungen zu deinem Vorteil aus und nimmst dir, was
du möchtest. Dies bedeutet im besonderen, dass du dir Zeiten allgemeiner
Desorientierung zunutze machst, um Anhänger unter den neutral Gesinnten und
Entrechteten anzuwerben. |
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21. Die Zikade wirft ihre goldglänzende Haut ah |
Dies bedeutet, alle falschen, zu strategischen Zwecken
ersonnenen Äußerlichkeiten hinter sich zu lassen. Wie die Haut der Zikade
bleibt die Fassade intakt, doch das eigentliche Geschehen spielt sich nun
anderenorts ab. |
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22. Die Tore schließen, um die Räuber zu fangen |
Du fängst eindringende Plünderer, indem du sie nicht entkommen
lässt. Du lässt sie mit ihrer Beute nicht in ihre Heimat zurückkehren. Wenn
sie fliehen können, dann verfolgst du sie nicht, weil du sonst in eine vom
Feind ersonnene Falle gehen könntest. |
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23. Sich mit dem fernen Feind verbünden, um zunächst den
nahen Feind anzugreifen |
Wenn du dich durch einen nahen Gegner mehr bedroht fühlst als
durch einen entfernten, so kannst du dich dadurch verteidigen, dass du ihn in
einem Zustand der Verwirrung hältst. Gleichzeitig durchkreuzt du seine Pläne,
indem du ihn mit einer Reihe von Verbündeten umzingelst. |
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24. Sich die Erlaubnis zum Durchmarsch erbitten, um den
Nachbarn anzugreifen |
Du sicherst dir das Recht, zeitweise von den Einrichtungen eines
anderen Gebrauch zu machen, um gegen einen gemeinsamen Feind vorzugehen.
Nachdem du mit Hilfe dieser Möglichkeiten den Feind besiegt hast, richtest du
dich in gleicher Weise gegen denjenigen, der dir die Benutzung seiner
Einrichtungen erlaubt hat. |
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25. Die Balken stehlen, um sie gegen morsche Stützen
auszutauschen |
Du versuchst, deinen Verbündeten Spitzenkräfte abzuwerben, und
bewegst sie dazu, für deine Belange einzutreten. |
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26. Auf den einen zeigen, um einen anderen zu schelten |
Du kritisierst auf indirekte Art und Weise, sagst deine Meinung,
ohne es auf eine direkte Konfrontation ankommen zu lassen. |
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27. Unwissenheit mimen, ohne verrückt zu werden |
Du gibst vor, dumm und unwissend zu sein, vermeidest aber
lockere Reden. |
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28. Auf das Dach locken, um dann die Leiter wegzuziehen |
Du lockst den Gegner in eine Sackgasse, indem du ihm den
Eindruck vermittelst, dass ihm diese Handlung Vorteile verschafft. |
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29. Dürre Bäume mit künstlichen Blüten schmücken |
Du blendest und betrügst die Augen deines Gegners durch
bombastische Vorführungen. |
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30. Die Rolle des Gastes in die des Gastgebers verkehren
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Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn ein Geschäft von
seinen eigenen Kunden oder Beratern übernommen wird. |
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31. Das Strategem dei schönen Frau |
Dies bedeutet, dass man den Charme einer Frau einsetzt, um eine
wichtige Persönlichkeit der gegnerischen Organisation zu beeinflussen. |
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32. Das Strategem der leeren Festung |
Du erscheinst schwächer, als du wirklich bist, damit sich dein
Gegner durch eine von drei möglichen Reaktionen auf deine scheinbare Schwäche
selbst besiegt: Er könnte zum einen eingebildet und selbstgefällig werden und
sich dadurch selbst zu Fall bringen. Er könnte auch arrogant und aggressiv
werden, was zu seiner Vernichtung führt. Schließlich könnte er auch vermuten,
dass du ihm einen Hinterhalt legst, und deshalb ganz von alleine fliehen. |
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33. Das Strategem des Doppelagenten |
Du kompromittierst Mitglieder anderer Organisationen, um sie für
dich arbeiten zu lassen. |
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34. Das Strategem der Selbstverstümmelung |
Dies ist eine Technik insbesondere für Geheimagenten: Du
richtest dich so her, dass du wie ein Opfer deines eigenen Volkes aussiehst,
um das Mitgefühl und das Vertrauen deines Gegners zu gewinnen. |
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35. Die Strategem-Verkettung |
Wenn du dich mit mehreren Feinden auseinandersetzen musst, dann
lass es nicht auf deine Stärke ankommen und konzentriere nicht dein ganzes
Machtpotential auf eine einzige Strategie. Führe im Rahmen einer
Gesamtkriegslist mehrere Pläne gleichzeitig durch. |
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36. Das Beste ist wegzulaufen |
Wenn du vom Gegner überwältigt wirst, dann kämpfst du nicht. Du
ergibst dich, gehst einen Vergleich ein oder fliehst. Sich ergeben ist
vollständige Niederlage, einen Vergleich eingehen ist eine halbe Niederlage,
Flucht ist keine Niederlage. Solange du nicht geschlagen bist, hast du immer
noch die Chance zu gewinnen. |